Okt 282004
 
Flagge der Slowakei

Flagge der Slowakei

28. Oktober 2004  – München, Goethe-Forum
Moderation: Theo Geißler und Frank Kämpfer
Regie: Werner Bleisteiner – Recherche: Eva Schrot – Redaktion: Wolf Loeckle

Lange war sie für uns etwas Normales – die Staatenunion der TschechoSlowakei. Das Nachbarland, dessen Geschichte einst mit der unseren über Jahrhunderte eng verwoben war; ein Gebiet, das einst zur Donau-Monarchie gehörte; das zunächst mit seiner Unabhängigkeit nach 1918 nie so recht glücklich und dann 1945 kommunistisch wurde – weil es keine andere Wahl hatte; dessen Regime 1989 genauso schnell zerfiel, wie in allen anderen Ostblockstaaten; das sich 1993 schließlich überraschend aufspaltete: in Tschechien und die Slowakei …

Seit einem halben Jahr nun ist die kleine Slowakei Mitglied in der EU. Wir reiben uns verwundert die Augen: Das einst so unscheinbare Land erscheint uns als “Europas Wirtschaftswunderland Nummer 1³: Niedrige Steuern, niedrige Löhne, hohe Produktivität – ein wahrhaftes Dorado für Investition und Profit. Doch ist das wirklich alles? Welcher kulturelle Hintergrund und welche Geschichte haben die Slowakei zu diesem neuen europäischen Musterland gemacht? Und: wie „slowakisch“ ist eigentlich die Slowakei? Continue reading »

Jun 172004
 
Flagge von Albanien

Flagge von Albanien

17. Juni 2004– Schauspielhaus Salzburg, Saal
Moderation: Theo Geißler und Frank Kämpfer
Regie: Werner Bleisteiner – Recherche: Eva Schrot – Redaktion: Wolf Loeckle

„Laßt Albanien nicht Selbstmord verüben!“ – überschrieb der in Paris lebende albanische Schriftsteller Ismail Kadaré 1997 einen in der fanzösischen Tageszeitung „Le Monde“ erschienenen Aufruf an die Weltgemeinschaft. In der Tat: Das kleine Balkanland – es ist gerade einmal so groß wie Baden-Württemberg – hat seit dem Zusammenbruch des Ostblocks 1990 kaum Fortschritte gemacht. Eher im Gegenteil. Kadarés Aufruf, sein Geburtsland nicht im Chaos versinken zu lassen, ist aktueller denn je: Albanien ist gelähmt zwischen Anarchie, Korruption und Kriminalität und hat längst den zweifelhaften Ruf, das „Armenhaus“ Europas zu sein. Dennoch soll Albanien dereinst Mitglied der Europäischen Union werden. Doch wann das sein wird, weiß niemand. Erstaunlich für ein Land, das vor 15 Jahren noch zu den am strengsten isolierten Ländern der Welt gehörte und das sich sogar gegenüber seinen „Bruderstaaten“ Sowjetunion und China fast komplett abgeschottet hatte.

Doch solange der gesamte Balkan nicht zur Ruhe kommt, stehen auch Albaniens Chancen für eine nachhaltige Entwicklung eher schlecht. Und so verwundert es auch nicht, dass Albanien von unserer Warte aus betrachtet auch kulturell als weißer Fleck erscheint. Doch eines hat das Ende des sozialistischen Regimes auf jeden Fall gebracht: Eine Wiederbelebung der Kulturszene. Mit spärlichen Mitteln sucht die Hauptstadt Tirana beispielsweise mit dem alljährlichen Festival „Tiraner Herbst“ Anschluss an die internationale Musikszene. Continue reading »

Apr 152004
 
Flagge von Litauen

Flagge von Litauen

15. April 2004  – München, Goethe-Forum
Moderation: Theo Geißler und Frank Kämpfer
Regie: Werner Bleisteiner – Recherche: Eva Schrot – Redaktion: Wolf Loeckle

Geographisch betrachtet, liegt Litauen im Zentrum Europas – in der Mitte zwischen Ural und Bretagne, zwischen Gibraltar und Nordkap. Anders als die zwei anderen baltischen Staaten bewahrte sich Litauen lange die politische Selbständigkeit. In enger Liaison mit Polen bildete das Land an der Memel einst gar ein mächtiges Reich. Die Hauptstadt Vilnius galt als kulturelles Zentrum und wurde lange das „Jerusalem des Ostens“ genannt.

Die Litauer sind sich dieser Traditionen bewußt und im Sich-Bewahren erprobt. „Aus der Vergangenheit laß’ deine Kinder Kraft gewinnen“, heißt es deshalb nicht zu Unrecht in der litauischen Hymne. Und bezeichnenderweise wurde die staatliche Souveränität 1991 in einer „singenden“ Revolution wiedererlangt. Wenn Litauen gemeinsam mit seinen baltischen Nachbarn am 1. Mai der Europäischen Union beitritt, steht es vor Herausforderungen ganz neuer Art. Auch die Gründungsmythen und die Geschichte des Landes werden auf neue Weise zu befragen sein. Das machen bereits heute vor allem junge und unetablierte Künstler.

Gäste:

  • Marius Ivaskevicius (Theaterautor)
  • Grazina Daunoraviciene (Musikologin)
  • Ruth Kibelka-Leiserowitz (Historikerin)
  • Birgit Johannsmeier (Journalistin)

Am Klavier:

  • Arturas Valudskis

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Ablauf:

3:11 (1) Einführung ins Thema
Theo Geißler und Frank Kämpfer führen in das Thema ein

7:35 (2) Vorstellung der Gesprächsteilnehmer
Birgit Johannsmeier, Journalistin – Ruth Kibelka-Leiserowitz, Historikerin – Grazina Daunoraviciene, Musikologin – Marius Ivaskievicius, Theaterautor

5:16 (3) Live-Musik: Arturas Valudskis
Singt und spielt ein russisches Lied

6:53 (4) Birgit Johannsmeier
Beitrag: Litauen und die singende Revolution. Litauens Weg in die Europäische Union

17:11 (5) Erste Diskussionsrunde
Litauen und das Trauma Sowjetunion – (Leid der Litauer) – Neue Widerstandsfähigkeit – Litauens Leidensgeschichte – Holocaust

6:31 (6) Lesung: Peter Arp liest
Der Zug unserer Liebe zu Vilnius – Text von Marius Ivaskievicius

20:26 (7) Zweite Diskussionsrunde Teil 1
Künste im Umbruch – Junge Kunstszene – Musik in Vilnius – Avantgardekunst – Rock- und Popmusik – Singen

16:47 (8) Zweite Diskussionsrunde Teil 2
„Auf in die Union“ – „Auch wir sind Europa“ – Was erwartet Litauen von Europa? – „Den Sprung machen“ /// und Absage.

4:16 (9) Live-Musik: Arturas Valudskis
Singt und spielt ein Lied für seine Tochter

Fotos: